Elisabeth in Fischlaken

Es gibt eine neue Musical- Produktion in Fischlaken: Dieses Mal ist es Elisabeth. Wer dabei an die „ Sissi“- Filme denkt, wird mit Sicherheit enttäuscht. Das Musical bleibt erstaunlich nah an der Biographie der österreichischen Kaiserin. Bis heute zieht die Persönlichkeit Elisabeths die Menschen in ihren Bann und fasziniert. War sie nur ein bedauernswertes Opfer des strengen höfischen Zeremoniells? Zerbrach sie daran, dass sie sich als Objekt der gesellschaftlichen Anforderungen an sie selbst sah?

Stephanie Jaffke erzählt, dass sie alle sich mit Geduld und mit viel Respekt den Figuren genähert haben und auch, dass das Verständnis der darzustellen Menschen sich mit den Proben zunehmend vertieft habe. Es sei verführerisch, sich schnell ein Urteil über einen Menschen zu bilden und mit dem Finger auf vermeintlich Schuldige zu zeigen. Das sei eine Parallele zur heutigen Zeit, die sich geradezu aufdränge. Der Starkult und die Rolle der Medien, das Auftreten in Netzwerken erwecken vielfach den Eindruck, einen Menschen wirklich zu kennen und sich ein Urteil erlauben zu dürfen. Und Urteile wurden und werden schnell gefällt. Heute wie damals.

Der Anfang der Geschichte scheint zunächst wie ein Märchen: Franz- Josef, der gut aussehende junge Kaiser verliebt sich in eine junge Prinzessin vom Land, aufgewachsen in zumindest für damalige Zeiten relativer Freiheit. Doch mit ihren nicht mal 17 Jahren ist Elisabeth  keineswegs der glücksstrahlende Mittelpunkt einer Märchenhochzeit. Sie ist völlig verängstigt und verunsichert. All die Augen, die ständig auf sie gerichtet sind, sie beobachten, begutachten und insgeheim darüber urteilen, ob sie den hohen Erwartungen auch entspricht. Auf die royalen Aufgaben hat sie nur ein Crashkurs vorbereitet. Sie wird in eine unbekannte Umgebung katapultiert, mit Spielregeln, die sie nicht kennt. 

Dabei hat sie noch Glück: Franz-Josef ist über beide Ohren verliebt und wird ihr zeitlebens von Herzen zugetan sein. Nur ist er leider selten da. 

Sein Lebensinhalt ist die Aufgabe, sein Land zu regieren und dessen Zukunft zu gestalten. Darauf wurde er sein ganzes Leben lang sorgfältig vorbereitet. Er ist ein Realist, für den die Verantwortung und die Herausforderung seiner Arbeit die wichtigsten Eckpunkte in seinem Leben sind. Er verfügt gar nicht über die Phantasie, sich vorzustellen, warum und woran Elisabeth leidet und sich beklagt. 

Elisabeth muss das akzeptieren und sich fügen. Sie sorgt mit ihren Kindern für den Fortbestand des Hauses Habsburg und „liefert“ dem Hof und dem Reich das Bild der ersehnten schönen jungen Kaiserin. Doch Samt und Seide ihrer luxuriösen Roben, ihre berühmte Haarpracht und ihre Schönheit sind gleichzeitig frühe Schutzschichten, hinter denen sie sich verbirgt und hinter die sie sich zurückzieht. 

Je älter sie wird, desto größer wird der Abstand und die Distanz, die sie zu den Menschen herstellt- auch zu ihren Kindern.  Ist es am Anfang Franz- Josef, der in seiner Rolle meist fest gefügt und unbeweglich scheint, so ist es am Ende Elisabeth, die immer stärker erstarrt, sich weiter und weiter zurückzieht hinter schwarzen Schleiern oder ihrem berühmten schwarzen Fächer. Der Preis ist Einsamkeit und Lebensüberdruss. 

Es ist die Figur vom Tod, der weich und lockend Erlösung von all dem Leid verspricht. Er ist der romantische Verführer, der sehnsuchtsvoll die ideale Liebe verheißt, eine Liebe ohne Bedingungen und Forderungen. 

Für Elisabeth, die sich ein Leben lang nach einer solchen Liebe gesehnt hat, wird der Tod zum innigen Herzensfreund. Angesprochen auf den Unterschied der beiden männlichen Rollen, bringt es Stephanie Jaffke auf den Punkt: „ Franz- Josef schaut ihr in die Augen- der Tod schaut ihr in die Seele.“

Das Musical Elisabeth lässt uns viel Raum für eigene Gedanken… Was macht es mit einem Menschen, der in gewisser Weise öffentliches Eigentum wird, zum Objekt allgemeiner Neugier und zur Projektionsfläche eigener Sehnsüchte? Wie fühlt sich das an? Und warum ist das eigene Interesse an solch „ öffentlichen“ Personen so groß? Letztlich werfen Elisabeth, Franz-Josef und der Tod die Frage auf: Welche Spielräume hast du in deinem Leben und wie gestaltest du sie?

Wir dürfen also gespannt sein auf ein intensives Musical- Erlebnis! 

24.3.2019