1935

Die am Ende des Jahres gegründete „liturgische Arbeitsgemeinschaft“ hielt am 15. Januar ihre erste Sitzung ab. Der Besuch der Gläubigen war sehr stark. Als erstes Thema behandelte der Rektor „Die heilige Messe“. Großes Interesse der Gläubigen zeigte die Notwendigkeit, diese wichtige Frage unseres Glaubens und Lebens einmal in Form eines Vortrages und einer Aussprache zu erörtern. Die „liturgische Arbeitsgemeinschaft“ wird von nun an wöchentlich einmal zusammenkommen.
Wie in den früheren Jahren so beteiligten wir uns auch in diesem Jahr am 23. Januar an dem „ewigen Gebet“ unserer Mutterpfarre St. Markus.
In diesen Tagen des Januars wurde zum ersten Male für eine neue Orgel gesammelt. Ist doch das Harmonium nur ein Provisorium, das auf die Dauer der Würde des Gottesdienstes nicht mehr entsprechen kann.
Am Feste Maria Lichtmess weihten wir die Kerzen. Jeder Gläubige empfing die brennende Kerze aus der Hand des Priesters, um sie dann in feierlicher Prozession als Lichtträger Christi durchs Gotteshaus zu tragen.
Am Dienstag, den 26. Februar versammelten sich die Mitglieder der Pfarrgemeinschaft im Saale Erbach, um in der Form eines Unterhaltungsabends einige frohe Stunden zu verleben. Der Kirchenchor unter der Leitung von Herrn Stroux und eine Musikkapelle erfreuten durch feine und gut vorgetragene Musikstücke. Eine besondere Überraschung brachte das Lustspiel „Messer Pomposo da Frascati“, das von unserer Jugend meisterhaft gespielt wurde.
Doch neben diesem Freudigen hatte sich seit längerem ein Übelstand in der Gemeinde breitgemacht. Die Kollektengelder des Sonntags waren auffallend zurückgegangen, sodass die Geistlichkeit versuchen musste, dem Übelstand in irgendeiner Form abzuhelfen. Zu diesem Zwecke führte man, wie der Zeitungsausschnitt zeigt, den sogenannten Opfersonntag ein. Das heißt:
Am ersten Sonntag eines jeden Monats sammeln die Seelsorger in jeder heiligen Messe für dringende Bedürfnisse der Gemeinde. Dadurch soll der Ertrag der Sonntagskollekten gesteigert werden.
In den letzten Tagen des März war ein Einkehrtag der Jungen und Mädchen, die in diesem Jahr die Schule verlassen, um ins Leben zu gehen. Die Vorträge wurden von einem Franziskanerpater gehalten.
Am 1. April war dann die kirchliche Schulentlassungsfeier, die sich zu einer wahren Familienfeier der Gemeinde gestaltete.

Die Liturgie der Karwoche wurde auch in diesem Jahr wieder feierlich begangen. Am Nachmittag des Gründonnerstags versammelte sich die Gemeinde in einzelnen Gruppen im Gotteshause, um in stiller Anbetung dem eucharistischen Christus zu danken für die Einsetzung seines Sakramentes der Liebe.
In der Eucharistiefeier am Abend des Karsamstags sang der Chor zum ersten Male eine große Auferstehungskomposition, deren Text Kaplan Schäfer aus Teilen des Buches „Heilige Zeit“ von Guardini zusammengestellt und deren Musik der Dirigent des Chores, Ludwig Stroux, geschrieben hatte. Das Werk ist packend und musikalisch voll gelungen. Eine wahre Übergangsmelodie aus der Tiefe und dem Dunkel des Sterbens zur Höhe und zum Licht der Auferstehung.
Auch in diesem Jahr ging wieder eine stattliche Zahl Jungen und Mädchen zur ersten heiligen Kommunion. Es waren (Angabe fehlt). Die kirchliche Feier war wie im vorigen Jahr. In feierlicher Prozession wurden die Kleinen im Pfarrheim abgeholt und zur Kirche geleitet. Nach der Ablegung des Taufgelöbnisses feierten sie mit dem Priester am Altare das feierliche Messopfer. Bei der Opferung brachten ein Junge und ein Mädchen die Hostien auf Schalen zum Altar, wo nachher alle Kinder sie bei der Kommunion, verwandelt in den Leib Christi, zum ersten Male empfingen. Am Nachmittag war eine Danksagungsfeier.
Auf vielseitigen Wunsch hin war am 6. Mai im Pfarrheim ein hausfraulicher Schulungskursus der Mütter. Die Beteiligung übertraf alle Erwartung, waren doch an die 50 Frauen, die mit großem Interesse den Ausführungen des Frl. Maesch, die den Kursus leitete, folgten.
Einige Tage später am 8. Mai versammelten sich unsere Eltern im Pfarrheim, wo Religionslehrer Dr. Goedeck über wichtige Erziehungsfragen sprach. Besonders hob er hervor, welch ungeheure Bedeutung gerade der liturgischen Erziehung zukomme.
Auf Anordnung der Caritaszentrale fand vom 18. - 24. Mai die Caritaswoche statt. Sie wurde abgehalten in der Form einer Straßen- und Haussammlung. Fast alle Sammler und Sammlerinnen waren erfreut von der guten Aufnahme, die sie auch bei den Protestanten Haarzopfs fanden. Unsere protestantischen Brüder und Schwestern spendeten mit gleicher Freigiebigkeit wie die Katholiken.
Am Feste des heiligen Fronleichnam beteiligten wir uns wieder an der Prozession unserer Muttergemeinde in Bredeney. Am Abend war um 8 Uhr eine Festandacht in unserer Kirche, nach der die Gemeinde sich zu einem geselligen Beisammensein im Lokal Stürmann traf.
Das Fest Peter und Paul war in diesem Jahre insofern von Bedeutung, da an ihm die „liturgische Arbeitsgemeinschaft“ zum ersten Male einen Ausflug nach der Abtei Maria-Laach machte, um den benediktinischen Gottesdienst etwas mehr kennen zu lernen. Alle Teilnehmer waren ergriffen von der Würde und dem Ernst benediktinischer Liturgie. Manche Anregung gab er, die nun in die Tat umgesetzt werden muss.
Der 20. Juli war ein unvergesslicher Tag. An ihm wallfahrteten katholische Frontsoldaten nach dem benachbarten Neviges. Sie wollten den Segen Gottes auf die Arbeit der Staatsmänner herabflehen, damit sie, von Gott geführt, dem Frieden der Welt dienten. Auch die Frontsoldaten unserer Gemeinde beteiligten sich recht zahlreich an diesem Gang des Gebetes. Möge der ewige Gott das Gebet dieser Krieger erhören zum Segen der Völker.
Seit einiger Zeit sammelten wir bei den sonntäglichen Gottesdiensten für einen würdigen Metallbeschlag des Tabernakels und für einen größeren Priesterkelch.
In den letzten Tagen des Monates Juli ging ein inniger Herzenswunsch der Katholiken Haarzopfs endlich in Erfüllung. Sr. Eminenz der Hochwürdigste Herr Kardinal und Erzbischof Karl-Josef Schulte erhob den Seelsorgebezirk Haarzopf zu einer selbständigen Kirchengemeinde. Die in den beigefügten Zeitungsabschnitten enthaltene Urkunde trat am 1. August 1935 in Kraft.
Damit ging eine Periode der kirchlichen Geschichte Haarzopfs zu Ende und eine neue begann. Groß und fast unüberwindlich waren anfangs die Schwierigkeiten, die sich dieser Entwicklung entgegenstellten. Aber der Wille und die Ausdauer der Haarzopfer Katholiken ließen nicht nach. Auch zu diesem Erfolge haben nicht zuletzt die Mitglieder des ehemaligen Kirchbauvereins beigetragen. Äußerlich trat das Neue in Erscheinung in der Form des Kirchenblattes. Die Gemeinde erhielt eine eigene Kirchenzeitung, deren Kopf das Christusmonogramm mit der Krone trug, umrahmt von dem Verse aus dem Te deum „Tu Rex Gloriae Christi“, „Du Christus der Herrlichkeit“.


Aus der Katholischen Kirchenzeitung

Diese künstlerisch hervorragende Gestaltung der Kopfseite des Kirchenblattes war das Werk des Künstlers Josef Hennefeld, der seit einiger Zeit Pfarrkind von Christus-König ist. Die erste Nummer der Zeitung erschien am 18. April 1935.
An demselben Sonntag, an dem die kirchliche Feier der Verselbständigung von Christus-König war, wurde eine Kollekte gehalten für den Beschlag des Tabernakels, die die höchste war seit Bestehen der Kirche. Sie betrug 229 Mark. Ein Ausdruck der Freude und Dankbarkeit der Gläubigen. Dazu kam noch eine private Zuwendung von 70 Mark. Am Tage darauf, dem 19. August, war im Saale Erbach eine außerkirchliche Feier, bei der unter anderem der protestantische Pfarrer Neuse sprach.
Am 8. Dezember wurde der Beschlag des Tabernakels fertig. Unter zwei Symbolkreisen sprach der die Bitte aus: „Herr bleibe bei uns“. So war der Tabernakel, als Mittelpunkt der Kirche, würdig ausgestaltet.
Die erste eigene Kirchenvorstandswahl war am 13. Oktober. Die Namen der Mitglieder des ersten selbständigen Kirchenvorstands in Haarzopf sind folgende: (Angaben fehlen)
Damit war die Erhebung zur Kirchengemeinde juristisch vollständig zu Ende gekommen.
Mit neuer Kraft und neuem Mute muss nun der Weg weiter gehen zu immer größerer Ehre des Reiches Christi auf Erden.
Am Sonntag, dem 20. Oktober, wurde die erste Kollekte zur Beschaffung einer neuen Monstranz gehalten. Sie zu beschaffen, war die Aufgabe der Zukunft.
Die diesjährige Firmung war am 24. Oktober. Die Kinder empfingen die Weihe der Streiter Christi.
Auch in diesem Jubeljahr wurde das Fest unseres göttlichen Schutzherrn würdig begangen. Es war ein Fest des Dankes. Um 11 Uhr sang der Kirchenchor ein feierliches Hochamt und um 6 Uhr beschlossen wir den Jubeltag mit der Complet.
Die diesjährigen Adventspredigten wurden gehalten über das Thema: „Wollen und Wirken der Propheten Israels“.
Vom 16. Dezember - 20. Dezember war in unserer Kirche eine religiöse Woche. Die Predigten hielt Pater Ignatius Jakoby, Prior der Benediktinerabtei Ilbenstadt. Er behandelte die Frage: „Die Gottesfamilie“. Mit großer Aufmerksamkeit folgten die Gläubigen seinen Ausführungen.
Am 25. Dezember war eine Krippenausstellung unserer Jungschar.
Das Jahr ging zu Ende mit dem Gefühl, Gottes segnende Vaterhand ist über uns, um uns zu leiten und zu schützen. 1935 ist ein Markstein in der Geschichte unserer Kirchengemeinde. Denn in ihm wurde sie selbständig und trägt nun ihr weiteres Schicksal in eigener Hand.

1936

Mit großem Gottvertrauen und christlicher Begeisterung begannen wir das Jahr im Herrn 1936. Gleich zu Beginn führten wir etwas Neues ein. Am 6. Januar, dem Feste der Heiligen Dreikönige, war die erste Kindersegnung in unserer Kirche. Mit den Weisen aus dem Morgenland sollten die Mütter und ihre Kinder zur Krippe kommen, um für die Kleinen den Segen des Heilandes und der Kirche zu erflehen. Zahlreiche Mütter und viele Kindlein empfingen aus der Hand des Priesters den Heilandssegen von Bethlehem.
Am 23. Januar beteiligte sich die Gemeinde wieder am ewigen Gebet der Muttergemeinde in St. Markus Bredeney. Von 5 - 6 Uhr huldigten unsere Frauen und Kinder dem eucharistischen König und von 9 - 10 Uhr die Männer, Jungmänner und der Kirchenchor.
Auch in diesem Jahr legten wir großen Nachdruck darauf, so weit wie möglich, die Gemeinde auch außerhalb des Gotteshauses zu einen und alle miteinander zu verbinden. Diesem Zwecke diente eine Pfarrfeier, die wir am 3. Februar, dem Tage nach Lichtmess, bei Erbach abhielten. Echter Frohsinn erfüllte alle, die der Einladung gefolgt waren.

Die Karwoche war in diesem Jahre von besonderer Bedeutung. Durch jahrelange Schulung und Vertiefung in liturgischem Geschehen war die Gemeinde in der Feier des Gottesdienstes, des gemeinsamen Betens und Singens so weit fortgeschritten, dass wir es wagen durften, die Zeremonien der Karwoche im Bilde festzuhalten und die Gesänge auf der Schallplatte. Die Schallplatten wurden zum ersten Male am 5. Mai im Pfarrheim vorgeführt. Es wurde dabei ein Vortrag gehalten mit dem Thema: „Die Bedeutung der Liturgie für die Erziehung unserer Jugendlichen“.
Auch die Feier der ersten Hl. Kommunion unserer Kinder wurde in diesem Jahr im Bilde festgehalten.

Zu Beginn des Maimonates wurde Kaplan Schäfer versetzt. Auf seinen eigenen Wunsch hin ging er zur Diözese Hildesheim, um sich der Seelsorge der sogenannten wandernden Kirche zu widmen (der Name ist vom Bischof Kailer von der Diözese Ermland geprägt), darunter versteht man all jene jüngeren Katholiken, die beim Arbeitsdienst, Landjahr und der Landhilfe sind und die durch die Verschiebung der Industriezentren ihre katholische Heimat verlassen müssen und in einer fremden Gegend dem Vaterland friedliche Dienste leisten. Die Seelsorge dieser jungen, oft im Glauben sehr gefährdeten Menschen war der Wunsch Kaplan Schäfers. Die Gemeinde lässt ihn nur ungern scheiden; denn er hat sich große Verdienste erworben in der Jugendarbeit und in dem Ausbau der Liturgie in unserer Gemeinde. Die Gregoriusgilde - ein Stolz der Gemeinde - ist ganz sein Werk. Wir alle wünschen ihm viel Glück in seiner neuen Tätigkeit.

Am 15. Mai begann der Nachfolger von Kaplan Schäfer, der Neupriester Wilhelm Schallenberg aus Bonn, seine Arbeit in unserer Gemeinde.
Am 18. Mai hielten wir an den Bitttagen vor Christi-Himmelfahrt zum ersten Male die Bittprozession. In der Frühe der Tage zogen wir über den Tommesweg und durch die Folkersbeck, um den Segen Gottes durch die Fürbitte der Heiligen auf die Äcker und Fluren herabzurufen. Die Beteiligung war sehr groß.
Fronleichnam feierten wir wieder mit der Muttergemeinde St. Markus.
Peter und Paul war um 5 Uhr eine Festandacht für die Schulkinder, um 8 Uhr für die Erwachsenen. Nach beiden Andachten wurde im Pfarrheim ein Film von P. Schulte gezeigt: „Das Vermächtnis eines Missionars“
Am 29. Juli feierten wir das Fest der Mutter Anna. Um 8 Uhr war eine feierliche Gemeinschaftsmesse für unsere Frauen und Mütter. Am Nachmittage wanderten wir dann mit den Müttern nach der Kapelle „Maria im Maien“ bei Schuir. Dort hielt der Pfarrer einen Standesvortrag. Nach dem Vortrag war gemeinschaftliches Kaffeetrinken. Währenddessen sang die Gregoriusgilde und die Mädchengruppen führten ein Lustspiel auf mit dem Titel „Die Kaffeetanten“.
Die diesjährige Firmung war am 20. Oktober in der Ludgeruskirche in Rüttenscheid.
Zum Patronatsfest, dem Christ-Königstage, weilte Pater Stephanus Hilpisch aus der Abtei Maria-Laach unter uns. Er gab am Vortage die liturgische Einführung in dieses für uns so bedeutsame Fest.
Der diesjährige Buß- und Bettag war insofern hervorgehoben, als am Abend der bekannte christliche Philosoph Dr. Hengstenberg, ein Pfarrkind unserer Gemeinde, einen Vortrag im Heim hielt „Vom Sinn des christlichen Sterbens“. Ungemein tief waren seine Gedanken, im Inhalt und in der Prägung. Der Tod die Vollendung menschlichen Opfers, des Menschen letzte Tat.
Am 8. Dezember hielten wir die Kollekte für einen neuen Marienaltar.
Wiederum geht ein Jahr zu Ende. Es war ein Jahr der Vertiefung und Festigung dessen, was bisher erreicht war. Gott gebe uns seine Hilfe zu neuem Gelingen.